Zwischen 0 und 100 liegt 50 - Neiiin! Autisten sehen die Welt anders

Alltag als Perlenkette

Perlenkette Perlenriss

Ein Asperger- Autist nimmt den Alltag ganz anders wahr. Für ihn ist der Tagesablauf genau durchstrukturiert. Änderungen oder Unvorhergesehenes können ihn komplett aus der Bahn werfen. Deshalb fragt er bei unplanmäßigen Ereignissen oft nach der Dauer und fühlt sich von der zu erledigenden Arbeit erdrückt. Was für die einen nur eine lästige Routine ist, gibt ihm Sicherheit.

Der Tagesablauf gleicht einer Perlenkette, jede Perle steht für etwas Bestimmtes und alle Perlen sind in einer festgelegten Reihenfolge angeordnet. Für Aspies ist es auch nicht möglich die Perlen einfach zu tauschen: z.B. zu sagen ich frühstücke erst und gehe dann ins Bad und zieh mich an. Auch wenn ein Termin sich verschiebt, z. B. man fährt 10 Minuten früher zum Training um vorher noch den dringend benötigten Klebestift zu besorgen, kann das zum Chaos führen. Selbst wenn der ungeliebte Zahnarzttermin ausfällt, können Probleme auftreten. Um den Tagesablauf zu ändern, müssen - bildlich gesprochen - alle Perlen abgefädelt, die neuen Perlen dazwischen gefädelt und die anderen in der alten Reihenfolge wieder aufgefädelt werden. Das dauert! Und kostet Kraft! Darum kann er diese Prozedur auch nicht so oft hintereinander durchhalten. Denn sonst reißt die Perlenkette und alles ist durcheinander, und das Chaos regiert in ihm.

Häufig kündigen Asperger Autisten jede kleine, noch so selbstverständliche Handlung an - häufig mit einem unsicheren, fragenden Ton: z.B. "Ich nehme mir einen Joghurt.", "Ich wasche mir jetzt die Hände". Diese Handlungen sind in der Perlenkette nicht vorgesehen und deshalb eigentlich nicht möglich. Sie brauchen die Bestätigung das dieses Tun richtig ist - und wollen die Familie nicht nerven. Sie sind einfach unsicher.

Tipp: Überlegen Sie sich ob der Tagesablauf wirklich geändert werden muss und respektieren sie die Fragen nach der Dauer von Ereignissen ihres Kindes. Kündigen Sie Veränderungen so früh wie möglich an (am besten mit einer nachvollziehbaren Erklärung - nicht nur "Ich will noch zu Aldi", sondern besser "morgen möchte ich einen Kuchen backen, dann müssen wir aber 10 Minuten früher fahren, um bei Aldi noch Butter zu besorgen" - dann bitte auch keinen Großeinkauf machen, sonst wirkt man unglaubwürdig)




Was die 'Perlenkette' angeht: Ich bin etwas flexibler, was das angeht. Trotzdem ist der Vergleich ganz gut. Ich habe schon einen unbewussten inneren Plan vom Ablauf des Tages. Das merke ich dann, wenn dieser Ablauf gestört wird. Wenn es nur ganz kleine, wenige Änderungen sind, fällt mir das i.D.R. kaum auf. Aber größere Sachen, z.B. wenn ich den Rasen mähen soll, muss man mir mindestens einen Tag vorher sagen, sonst geht es nicht.
Ein besonderes Problem habe ich, wenn ich angerufen werde. Normalerweise kann ich alles so einrichten, dass ich sozusagen die Perle, an der ich gerade bin, noch abarbeiten kann. Das geht aber nicht, wenn ich angerufen werde. Dann muss ich die Perle zerschneiden. Und wir reden sozusagen von Diamantperlen. Das kriege ich sehr oft einfach nicht hin. Und ich kann noch nichtmal planen, wie lange diese Unterbrechung dauert. (Ich habe übrigens auch ziemliche Probleme damit, selbst jemanden anzurufen. Weiß aber bis heute nicht, woran das liegt.)
[Forenbeitrag in www.vwd-Forum.de]
Ich finde Ihre Seite erklärt die Probleme von Asperger ganz gut. Meine 2 Kinder sind beide von dem Syndrom getroffen und ich habe die selben Erfahrungen gemacht wie Sie. Sie haben es einfach gut formuliert. Ich muss dazu sagen dass ich nicht nur den einzelnen Tagen von meinen Kindern durchplane, sondern, auch die Wochen, die Monate und auch das ganze Jahr.(Saison -Kennzeichnung; Urlaubzeitvormerkung usw.) Es erleichtert den beiden das Leben unheimlich. nichts kommt mehr unerwartet vor, auch das was nicht jeden Tag passiert.
von S. K.